21. Juni 2013

MYA Part 4 - Meine Entwicklung als Lehrkraft


Lehrerin zu werden habe ich, wenn ich ehrlich bin, eher notgedrungen entschieden, als ich nach dem Abitur während mehrerer Praktika feststellen musste, dass die erträumte Karriere als Radiojournalistin mir zu unsicher war. 

Ich hatte mir gedacht, wenn ich Deutsch und Englisch auf Lehramt studiere, kann ich Kindern beibringen, was ich am Besten kann und was mir die meiste Freude bereitet, und schreiben kann ich nebenbei von Zuhause aus, wann immer ich Lust dazu habe.

Nun war ich bis vor meinem Auslandsjahr noch ein wenig unsicher, was den Lehrerberuf angeht. Nicht, weil ich Angst hatte, dass es mir keinen Spaß macht - sondern weil ich Angst hatte, dass ich zu klein und zierlich und nicht durchsetzungsstark genug bin.

Zwar hat sich in dem Jahr hier herausgestellt, dass diese Befürchtungen nicht ganz unbegründet waren, doch ich habe auch gelernt, wie ich ihnen entgegen wirken kann.

Ich bin die nette Lehrerin, die Verständnis für Deine chronische Unlust hat und meistens selbst keinen Bock auf Grammatik, bis es zu weit geht, und die Dir dann eine Strafarbeit auf den Tisch legt - aber als Schüler weißt Du nach fünf Stunden genau, wo die Grenze ist, und dann verstehst Du Dich mit mir einwandfrei. Ich sage in der ersten Stunde ganz genau, was ich an Verhalten in meinem Klassenraum erwarte, bin in der ersten Stunde auch sehr viel strenger als ich normalerweise bin - und dann geht das schon. Das hatte ich mir von Anfang an so vorgenommen und das habe ich auch wunderbar durchgezogen.

In einem Internat ist das alles noch einmal ein wenig komplizierter, weil man die Schüler auch bei Freizeitaktivitäten betreut oder im Alltag (ich muss ja zum Beispiel Schülerinnen ins Bett bringen, die ich dann am nächsten Tag unterrichte - und ich merke definitiv, dass ich zu den Schülerinnen, die ich im Alltag betreue, einen sehr viel dickeren Draht habe, als zu denen, die ich nur im Unterricht sehe - es kann auch sein, dass man beim Frühstück jemandem eine Strafe für Missverhalten gegeben hat, den man gleich im Sprachunterricht behandeln muss, als hätte er einem nicht den Morgen versaut.) Aber das ist an Internaten normal, und solange die Bewertung dadurch nicht ungerecht beeinflusst wird, ist das schon in Ordnung.

1. Eine Woche bevor mein erster Lehrjob losging, saß ich selbst noch unmotiviert in der Unibib und gab beim Schreiben einer Hausarbeit auf! 2. Die Lernatmosphäre im Internat hier ist definitiv zehn mal besser als an meiner Uni in Deutschland! 3. Viel, viel Kaffee und permanent den Blick im Terminkalender haben war für mich das absolute A und O an langen Arbeitstagen! 4. Morgens in sein Klassenzimmer zu kommen und eine Liebeserklärung von Schülern an der Tafel vorzufinden = unbezahlbar!

Was ich in diesem Jahr falsch gemacht habe? Als Sprachassistentin wurde ich von meiner Chefin als "Maria" vorgestellt und nicht mit meinem Nachnamen, weil wir dachten, der Konversationsunterricht soll ja möglichst locker sein und Spaß machen. Ich bin mit 22 Jahren aber kaum älter als viele meiner Schüler und werde mich an jeder Schule, an der ich in Zukunft unterrichte, mit meinem Nachnamen vorstellen, um mehr Autorität zu behalten. Außerdem muss ich daran arbeiten, mich nicht so einfach ablenken zu lassen - ich liebe es, mich mit meinen Schülern über dies und das zu unterhalten, aber dazu habe ich mich in diesem Jahr leider noch ein wenig zu oft hinreißen lassen. Kommt noch.

Der größte Pluspunkt in meiner Entwicklung als Lehrkraft ist in erster Linie, dass ich nun endlich weiß, dass Lehrerin mein absoluter Traumberuf ist. Ich liebe die Arbeit mit Jugendlichen, ich liebe meine Fächer, und ich weiß nach diesem Jahr, dass ich Spaß an Sprache vermitteln kann und nicht nur Lehramt studiere, weil mir sonst nichts anderes einfiel.

Hoffentlich bin ich zurück in Deutschland ein bisschen motivierter an der Uni - ich habe zwar absolut gar eine Lust, weiter zu studieren, weil ich weiß, wie toll unterrichten ist und ich viel lieber sofort arbeiten gehen würde - aber immerhin weiß ich jetzt, wozu ich mich durch die Seminare quäle und dass es sich auf jeden Fall lohnt!

Kommentare:

  1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass ich mich in Hamburg bewerbe. Und danke für die Tipps! :)

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  2. Hach, mal wieder so ein wunderbarer Beitrag <3 Und wieder bringst du ziemlich deutlich die Unterschiede der deutschen und englischen Schulen rüber. Ich frage mich gerade ernsthaft, WAS man machen kann, dass einem Schüler Liebeserklärungen an die Tafel schreiben. Woah. Unbezahlbar traumhaft. Wüsste gar nicht, wie man auf sowas reagieren soll.. wie war es bei dir denn?

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  3. Obwohl mich persönlich der Beruf als Lehrerin absolut nicht reizt, finde ich es sehr spannend deine Erfahrungen lesen zu dürfen :)

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  4. Ich finde es immer wunderbar zu hören, wenn jemand den richtigen Weg für sich gefunden hat...
    Im Moment fühlt sich mein Weg (erstmal Kommunikationswissenschaft studieren und dann Printjournalismus oder Marketing) auch gut an... Ich hoffe ich werde auch mal so eine tolle Erfahrung wie du machen, dass ich zu 100% sagen kann, dass DAS mein Traumberuf ist! ;)

    http://www.coco-colo.blogspot.de/

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  5. Das ist ja total schön! :) Ich mag deine Job-England-Reihe total gern! Und es freut mich total, dass du deinen Traumberuf gefunden hast. Ich dachte mir, ich könnte keine Lehrerin sein, weil ich auch zu "weich" und "lieb" bin. Wie ich aber sehe, kämpfen auch angehende Lehrer mit diesem Problem ;) Total schön ist es, dass du so persönlich darüber schreibst. Macht einfach total Spaß, es zu lesen. Freue mich aber auch schon auf mehr Barney-Bilder, wenn du endlich wieder in Deutschland bist ;)
    Viele liebe Grüße
    Natalia

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  6. Ich finde es auch mega spannend, was du alles so erzählst :))

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