28. August 2013

My Most Embarrassing Moment

Ich bin ein wenig inspiriert im Moment und habe täglich Zeit und Lust, zu schreiben ... dabei fallen mir die seltsamsten Geschichten ein, die ich ganz plötzlich unbedingt festhalten und mit euch teilen möchte.

So zum Beispiel den peinlichsten Moment meines Lebens. 

Mir passieren sehr oft peinliche Dinge, ich schäme mich für kleine Stolperer auf dem Nachhauseweg und für eine nicht ganz fließende Begrüßung, bei der man nicht weiß, ob man jemandem die Hand geben oder ihn umarmen soll ...

aber dieses eine Erlebnis bleibt mir bis heute so richtig, richtig unangenehm.

Ich war sieben Jahre alt. Die Jüngste in der dritten Klasse. In meiner Schultasche befand sich eine Brotdose, die ich schon seit Tagen mit mir herumschleppte. Als Kind habe ich nie besonders viel gegessen, und mein Pausenbrot war mir oft zu langweilig. In diesem Fall waren es zwei Scheiben Knäckebrot mit Butter und Blümchensalami dazwischen. Eigentlich mochte ich das sehr, doch dieses Exemplar hatte ich irgendwie vergessen und war inzwischen einfach schon zu alt.

In der kleinen Pause saß ich da und überlegte ... Ich überlegte hin und her, ob ich die Brotdose gleich ganz wegwerfen sollte, oder das Brot wegwerfen und die Brotdose mit heim bringen, damit Mama denkt, ich hätte es gegessen. Ich entschied mich für Letzteres und feuerte das Brot in den Mülleimer in unserem Klassenraum.


Eine Stunde später, nach der großen Pause, als wir langsam ruhiger wurden, stand auf einmal unsere Klassenlehrerin vor der Tafel - und hielt mein Brot in der Hand. Sie sah stinkesauer aus und hielt uns einen eeewig langen Vortrag darüber, warum man Essen nicht wegschmeißt. Sie fragte, wer das gewesen sei, ich traute mich nicht, etwas zu sagen. Erst, als sie der ganzen Klasse eine Strafarbeit gegeben hatte (Eine Seite zum Thema "Warum man Essen nicht wegwirft"), meldete ich mich und gab zu, dass es mein Pausenbrot gewesen war. Zu meiner Verteidigung hatte ich nur zu sagen, dass es schon mehrere Tage lang in meinem Ranzen vor sich hin gegammelt hatte. Sie lobte, dass ich es zugegeben hatte - die Strafarbeit musste trotzdem nicht nur ich, sondern die ganze Klasse machen. Mist.

Zu Hause half mir meine Mutter vorm Turnunterricht mit den Hausaufgaben. Ich erzählte, dass meine Freundin XX ein Brot weggeworfen hatte und die ganze Klasse deshalb die Strafarbeit machen musste. Sie fand das sehr lustig und half mir dabei, meinen Aufsatz zu schreiben.

Dann ging es auf zur Turnhalle - ich hatte nicht ganz bedacht, dass meine Mutter dort andere Mütter von Klassenkameradinnen treffen würde. Lachend begann meine Mutter, zu erzählen ... überrascht sah eine andere Mutter sie an. Ich stand daneben. "Aber ich dachte, die Maria hätte das Brot weggeworfen!" Meine Mutter warf mir einen verdutzten Blick zu. Dann zog sie grinsend die Schultern hoch und sagte "Das hätte ich mir eigentlich gleich denken können!"

Mir war nicht nur unglaublich peinlich, dass meine ganze Klasse wegen mir einen Aufsatz schreiben musste und dass meine Mutter rausgefunden hatte, dass ich diejenige war, die das Pausenbrot weggeworfen hatte. Das peinlichste an der Geschichte ist mir bis heute, dass meine Mutter nicht wütend reagiert hat - sodass die andere Mutter genau sehen konnte, dass ich so etwas wohl öfter tat und dann zu Hause nicht die ganze Wahrheit erzählte. Wenn ich daran denke, wie ich im Klassenraum saß und dachte "Mist. Mist. Mist." Und wie ich mittags im Schnellverfahren meiner Mutter diese doofe Lüge aufgetischt hatte - und wie ich daneben gestanden hatte, als sie aufgeflogen war ... da bekomme ich heute noch ein flaues Gefühl im Magen. Dabei finden meine Eltern die Geschichte bis heute einfach amüsant, und ich habe auch nie Ärger dafür bekommen. Um ehrlich zu sein, war es vermutlich das Schlimmste, das ich in der Schule je verbrochen habe. 

Trotzdem - es ist mir bis heute peinlicher als jeder Sturz vom Pferd, jedes umgekippte Glas im Restaurant und jede alkoholisierte Unterhaltung.

Habt ihr auch eine solche peinliche Geschichte, an die ihr heute noch mit Grauen zurückdenkt? Ich würde sie zu gerne erfahren, in den Kommentaren oder vielleicht sogar in einem ausführlichen eigenen Blogpost!

Kommentare:

  1. hihi...sorry, aber ich musste gerade wirklich ein bisschen lachen! die geschichte ist super-putzig! ich finde es wahnsinn, dass du dich noch daran erinnerst, obwohl du erst 7 warst...aber wahrscheinlich hat es sich so in dein hirn eingebrannt... :-)
    lg
    bina

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  2. ach was, ist doch gut, wenn deine Eltern so locker reagiert haben! hatte ein ähnliches Drama mal im Schullandheim in der sechsten Klasse, auch wegen einem weggeschmissenen Brot, hab mich aber nicht getraut, es zu sagen – gab allerdings auch nur einen Moralapostel-Vortrag vor versammelter Mannschaft beim Abendessen :D

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  3. Ich kann gar nicht verstehen, dass dich das immer noch peinlich berührt, ist doch gar nicht schlimm, man ist als Kind eben manchmal ein Schlingel ;) Aber war sicherlich damals ein Horrortag für dich und dieses ständige Rauswinden ist echt ein ekeliges Gefühl gewesen, das glaube ich.
    Deine Lehrerin finde ich hingegen echt peinlich, denn warum muss denn die ganze Klasse eine Strafarbeit schreiben. Dass sie das als Druckmittel benutzt, um den Übeltäter auszumachen aus schlechtem Gewissen, ist ja schon nicht ganz richtig- nur wegen eines Pausenbrots - aber dann trotzdem daran festzuhalten, ist so idiotisch, gerade, weil man sich ja mit sowas auch nicht gerade beliebt macht unter Mitschülern. Sehr zweifelhafte Pädagogik.

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    1. Das finde ich heutzutage auch, als Lehramtsstudentin ...

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  4. Niedliche Geschichte. :) Bei meiner Tante gabs da mal so eine ähnliche Geschichte, sie hatte wohl irgendwie nen Apfel oder sowas in ihrer Schultasche vergessen oder die Tasche einfach nie richtig aufgeräumt. Und da haben sich dann die Ameisen eingenistet. Da saß sie dann neben ihrem Nachbarn und die Ameisen krabbelten aus ihrem Ranzen, den Tisch hoch und ihr Nachbar schlug dann mit seinem Lineal auf die Ameisen ein. Und da fragte die Lehrerin was er denn da machen würde und er sagte: "Die Ingrid hat Ameisen in ihrem Schulranzen mitgebracht."
    Die Geschichte ist ihr auch bis heute noch unangenehm. Ich finde sie amüsant. :)

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  5. Haha, wie süß. Aber nach 3 Tagen schmeckt son Knäcke auch nicht mehr... was sollstn sonst damit machen? Und deine Mutter hat doch genau richtig reagiert. :P Manche Mütter machen ja immer son Terz um nichts. :P

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  6. Hahaha, was für eine süße Story. Ich bekomme auch gleich das flaue Gefühl im Magen, wenn ich an ähnliche Stories denke. Da schießen mir gleich deine Kinderfotos bei Instagram in den Kopf. Da kann doch wirklich keiner sauer sein! :D

    Die doofen alten Lehrer-Omis sind aber auch echt nervig. Da fallen mir auch prompt ein paar aus meiner Schulzeit ein. Da müsst ihr als neue Lehrergeneration ordentlich was rausholen!

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  7. köstliche geschichte ^^' danke fürs lachen, hihi.

    ich werde irgendwann bald mal in zukunft (haha..) einen post über finanzierung/spartipps/etc machen zur reise, alles in allem brauchte ich 3700€ ca, aber wir ließen uns es echt gut gehen und sparten nicht total und kauften auch viel ein

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  8. Total tolle Geschichte! Daaanke fürs teilen!
    Peinlichstes Erlebnis.. kann ich gar nicht sagen. Ich bin ja der Tollpatsch schlechthin. Seit ich geboren bin, wahrscheinlich. Ist natürlich irgendwo übertrieben, aber eigentlich passiert mir so viel peinliches, das es echt schwierig ist davon was so richtig rauszukristallisieren.. Aber irgendwo bleibt alles so ein bisschen im Gedächtnis, auch wenn ich wirklich bestens über mich selbst lachen kann. Doch wenn ich so darüber nachdenke bin ich mir eigentlich sicher, dass es in der Grundschulzeit wirklich nicht so war - da war ich zurückhaltender, wollte nichts falsch machen.. bestes Beispiel ist eigentlich mein schweres Verbrechen, was ich mir bis heute nicht verzeihe: Mich hat mal so ein Junge geärgert. Weiß nicht, was er sich da rausgenommen hat. Aber fand das gar nicht gut, und den eh doof zu diesem Zeitpunkt, da hab ich ihn zu meiner Verteidigung mit einem Mädchentritt gegen das Schienbein getreten. Er drohte dann, es einer Hortnerin zu petzen. Ich wollte in den Erdboden versinken, denn SOWAS ging für mich gar nicht. Machen ja schließlich nur ungezogene Kinder. Ein paar Jahre zuvor, in einer Kaufhalle gab es mal so Umschläge mit Karten zum Payback Punkte sammeln oder sowas, falls es das schon gab. So. Fand, dass das cool aussah und ja gut in meine Spielzeugsammlung als Geldkarte passen könnte. Nahm es an der Kasse in die Hand, vergaß es aufs Band zu legen und sozusagen auch 'es zu bezahlen'. Komisch das nichts piepste. JAHRELANG hatte ich ein schlechtes Gewissen weil ich ja die Spielkarte geklaut hab, bis ich mich meiner älteren Schwester anvertraute (das schlechte Gewissen plagte mich so sehr!) und sie mich aufklärte. Hat zwar alles nichts mit sowas zutun, aber was man als Kind erlebt, bleibt im Gedächtnis. Scheinbar für immer, oder zumindest bis zum hier & jetzt oder sowas.

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